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cfdisk
Kurzfassung: cfdisk ist ein Text-UI (Menü-basiertes) Partitionierungstool mit benutzerfreundlicher Oberfläche. Es unterstützt sowohl MBR als auch GPT und bietet eine visuelle Darstellung der Festplatte. Zielgruppe: Anfänger und Erfahrene für intuitive Partitionsverwaltung.
Übersicht
cfdisk ist die verbesserte Text-UI Alternative zu fdisk. Die menügesteuerte Bedienung mit Cursor-Navigation macht Partitionierungsvorgänge verständlicher und weniger fehleranfällig als die klassische fdisk-Eingabe.
Hauptmerkmale:
- MBR und GPT Unterstützung
- Visuelle Menüoberfläche im Terminal
- Pfeiltasten-Navigation statt kryptischer Befehle
- Bessere Fehlervorbeugung durch grafische Anleitung
- Keine Änderungen bis zur expliziten Speicherung (Write)
- Größenangaben in GB/GiB direkt eingeben
Installation
# Debian/Ubuntu sudo apt install cfdisk # RHEL/CentOS/Fedora sudo dnf install util-linux # Prüfen cfdisk --version
Grundlegende Bedienung
cfdisk starten
# Interaktiv starten sudo cfdisk /dev/sda # Nur Lesemodus (keine Änderungen möglich) sudo cfdisk -r /dev/sda # Spezifisches Partitionsschema sudo cfdisk -s /dev/sda # MBR sudo cfdisk /dev/sda # Auto-detect (GPT wenn vorhanden)
Oberflächen-Navigation
Die cfdisk-Oberfläche teilt sich in:
- Oben: Visuelle Partitionsliste mit Größen
- Unten: Verfügbare Befehle und Eingabeprompts
Tastatursteuerung:
- Pfeiltasten auf/ab – Partition oder Freiraum auswählen
- Pfeiltasten links/rechts – Befehle im Menü wechseln (New, Delete, Type, etc.)
- Enter – Befehl ausführen oder Eingabe bestätigen
- Tab – Zwischen Bereichen wechseln
- Esc / q – Beenden ohne Speichern
- W oder Write – Änderungen speichern
Praktische Aufgaben
Neue Partition erstellen
sudo cfdisk /dev/sda
Schritte:
1. Free space mit Pfeiltasten auswählen (z.B. freier Bereich) 2. Menü New auswählen (Pfeiltasten um zu navigieren) 3. Größe eingeben (z.B. 10G oder 20GiB) 4. Partitionstyp bestätigen (Primary, Extended, Logical) 5. Größe finalisieren (Enter) 6. Ggf. Type ändern (für Linux Swap, LVM, etc.) 7. Bootable markieren (nur für Boot-Partition) 8. Alle Änderungen mit Write speichern 9. Quit zum Beenden
Partitionstyp ändern
sudo cfdisk /dev/sda
Schritte:
1. Partition mit Pfeiltasten auswählen 2. Menü Type auswählen (Pfeiltasten) 3. Neuen Typ aus Liste wählen oder Nummer eingeben: * 83 = Linux * 82 = Linux Swap * 8e = Linux LVM * fd = Linux RAID * ef = EFI System (GPT) 4. Auswahl bestätigen 5. Write speichern
Partition löschen
sudo cfdisk /dev/sda
Schritte:
1. Partition mit Pfeiltasten auswählen 2. Menü Delete auswählen (Pfeiltasten) 3. Bestätigung mit y (Ja) 4. Partition wird gelöscht und wird Free space 5. Write zum Speichern
Boot-Flag setzen (nur MBR)
sudo cfdisk /dev/sda
Schritte:
1. Boot-Partition auswählen 2. Menü Bootable aktivieren (Sternchen * zeigt aktiv) 3. Write speichern
MBR vs. GPT Handling
MBR (Master Boot Record)
# cfdisk erkennt MBR automatisch sudo cfdisk /dev/sda # Menü zeigt: Primary, Extended, Logical # Maximale Partitionsgröße: 2 TB # Boot-Flag möglich
GPT (GUID Partition Table)
# cfdisk erkennt GPT automatisch sudo cfdisk /dev/sda # Primär/Erweitert-Unterschied entfällt # Beliebige viele Partitionen möglich # Größen > 2 TB unterstützt
Zu GPT konvertieren (von MBR):
# Vorsicht: Alle Daten gehen verloren! sudo cfdisk /dev/sda # Mit parted leichter: sudo parted /dev/sda mklabel gpt
Erweiterte Szenarien
UEFI/EFI-Partition erstellen
sudo cfdisk /dev/sda
Vorgehen:
1. Bei GPT automatisch verfügbar 2. Erste Partition: 512M 3. Typ: EFI System (älter: FAT32) 4. Restliche Partitionen normal erstellen
Swap-Bereich zuweisen
sudo cfdisk /dev/sda
Vorgehen:
1. Neue Partition (z.B. 4 GB für 8 GB RAM) 2. Typ: Linux Swap 3. Write speichern 4. Mit mkswap formatieren: ''sudo mkswap /dev/sda3'' 5. In /etc/fstab eintragen
LVM-Partition vorbereiten
sudo cfdisk /dev/sda
Vorgehen:
1. Neue Partition erstellen 2. Typ: Linux LVM 3. Write speichern 4. LVM mit pvcreate initialisieren: ''sudo pvcreate /dev/sda3''
Sicherungsvorgänge
Partitionstabelle backen
# Vor großen Änderungen! sudo sfdisk -d /dev/sda > sda-backup.bak # Inhalt prüfen cat sda-backup.bak # Wiederherstellen sudo sfdisk /dev/sda < sda-backup.bak
Mit cfdisk Dump exportieren
# cfdisk nutzt sfdisk intern, daher: sudo sfdisk -d /dev/sda | tee sda-complete.bak
Häufige Fehler
Problem: „Partition umbenannt, aber lsblk zeigt Änderung nicht“
# Lösung: Kernel-Partitionstabelle neu laden sudo partprobe /dev/sda # Oder reboot sudo reboot
Problem: „cfdisk: Unexpected EOF„
# Defekte Partitionstabelle # Lösung: Mit testdisk retten sudo testdisk /dev/sda
Problem: „Write erlaubt, aber Fehler beim Speichern“
# Mögliche Ursachen: # - Festplatte wird noch verwendet # - Keine Schreibrechte # - Dateisystem read-only # Lösung: sudo cfdisk /dev/sdb # Nicht-gemountete Festplatte sudo mount -o remount,rw / # RW-Remount wenn nötig
Vergleich mit anderen Tools
| Tool | UI-Typ | MBR | GPT | Anfänger-freundlich |
fdisk | Kommandozeile | ✓ | ✓* | Mittelmäßig |
cfdisk | Text-Menu | ✓ | ✓ | Sehr gut |
parted | Kommandozeile | ✓ | ✓ | Schwierig |
sgdisk | Kommandozeile | ✗ | ✓ | Mittelmäßig |
gparted | GUI (grafisch) | ✓ | ✓ | Sehr gut |
Best Practices
- Anfänger sollten mit
cfdiskstarten - Vor Write: Alle Änderungen visuell prüfen
- Partitionstabelle vorher backen:
sfdisk -d /dev/sda > backup.bak - Nach Änderungen:
partprobe /dev/sdaoder Reboot - Bei Größenänderungen: Dateisystem vorher anpassen
- Neue Partitionen formatieren:
mkfs.ext4 /dev/sdaX - Live-CD verwenden bei System-Festplatten
- Write speichert ALLE Änderungen sofort - Keine Undo!
- Falsche Festplatte auswählen → Datenverlust
- Befestigte Partitionen nicht verändern
- System-Festplatte nur aus Live-CD ändern
- Backup ist essentiell vor jeder Änderung
